Besuch nach die Ostzone? Zujezojen? Keen Problem - Hier kannste dir schlau machn, damitte nich dastehst wiene Flöte!
Hier dreht sich alles um die lebendige Sprachwelt Berlins mit einem Übersetzer, der hochdeutsche Texte per Generator automatisch in Berliner Dialekt übersetzt. Grundlage ist das Buch 'Der richtige Berliner in Wörtern und Redensarten' von Dr. Hans Meyer.
Hilfe suchend kam eenmal eene Frau zu eena alten Hexe und fragte se, ob se ihr nich een kleenet Mädchen vaschaffen könnte.
„O ja, dit soll nich schwer halten!“ sagte die Hexe. „Da haste een Jerstenkorn; dit is nich etwan von die Art, wie et uff eem Bauernfelde wächst, oda womit die Hiehna jefüttert wern. Leje et in een Blumentopp, dann wiste wat zu sehen bekommen!“
„Besten Dank!“ sagte die Frau und jab der Hexe een Jeldstück, jing dann heim, pflanzte dit Jerstenkorn, und sojleich wuchs eene jroße herrliche Blume hervor, die vollkommen eena Tulpe jlich, aba die Blätta schlossen sich fest zusammen, als ob se noch in die Knospe wärn'.
„Dit is eene scheene Blume!“ sagte die Frau und küßte se uff die herrlichen roten und jelben Blätta, aba wie se se noch küßte, that die Blume een jroßen Knall und öffnete sich. Et war, wie man nu sehen konnte, eene wirkliche Tulpe; aba mitten in die Bliete, uffn jrünen Blumengriffel, saß een winzich kleenet, blondlockjes Mädchen, fein und lieblich. Se war nich jrößa als een Daumen, und desterwejen wurde se Däumelieschen jenannt.
Eene prächtje, lackirte Wallnußschale erhielt se zur Wieje, blaue Veilchenblätta warn' ihre Matratze und een Rosenblatt ihr Deckbett. Darin schlief se det Nachts, aba an Tage spielte se uffn Tische. Die Frau hatte een Tella darauf jestellt, um den se een janzen Kranz Blumen jelejt hatte, dern Stengel in dit Wassa reichten. Hier schwamm een jroßes Tulpenblatt und uff diesen durfte Däumelieschen sitzen und von die eene Seite det Tellers bis zur andern schwimmen. Zun Rudern hatte se zwee weeße Pferdehaare. Dit sah unbeschreiblich niedlich aus. Se konnte ooch singen, o so fein und lieblich, wie man nie zuvor jehört hatte.
Eenet Nachts, als se in ihrn' hibschen Bettchen lag, kam durch dit Fensta, in den eene Scheibe zerbrochen war, eene häßliche Kröte hereingehipft; se hipfte jerade uffn Tisch hernieda, wo Däumelieschen lag und untan roten Rosenblatte schlief.„Dit wär' eene scheene Frau for meenen Sohn!“ sagte die Kröte, und dann erjriff se die Wallnußschale, in die Däumelieschen schlief, und hipfte mit ihr durch die Scheibe in den Jarten hinunta.
Da floß een jroßa, breita Bach; aba dicht an Ufa war et sumpfich und morastich; hier wohnte die Kröte mit ihrn' Sohne. Hu, der war eben so jarstich und häßlich, dit janze Ebenbild seina Mutta. „Koax, Koax, breckekekex,“ war allens, wat er sajen konnte, als er dit hibsche, kleene Mädchen sah.
„Schwatz’ nich so laut, sonst wacht se uff!“ sagte die alte Kröte, „se könnte uns sonst noch entlaufen, denn se is so leicht wie een Eiderflaum! Wir wollen se in den Bach hinaus uff eenet der breiten Wasserlilienblätta setzen, dit is for se, die so leicht und kleen is, wie eene Insel. Da kann se nich entlaufen, während wir den Festsaal unten tief untan Sumpfe, wo ihr wohnen und leben sollt, in Stand setzen.“
Die alte Kröte schwamm nu nach eem der jroßen, jrünen Blätta, welche inmitten det Baches aus den Wassa ragten, als ob se darauf schwämmen, und setzte die Nußschale mit Däumelieschen uff dasselbe nieda.
Dit arme kleene Mädchen erwachte beim ersten Morjengrauen, und da et wahrnahm, wo et war, fing et jar bitterlich an zu weenen, denn Wassa umjab von allen Seiten dit jroße jrüne Blatt.
Die alte Kröte saß unten im Sumpfe und schmückte ihr Zimma mit Schilf und jelben Wasserlilien, denn for die neue Schwiejertochta sollte allens uff dit Feinste herjerichtet wern. Darauf schwamm se mit den jarstjen Sohne zu den Blatte hinaus, wo Däumelieschen stand. Die alte Kröte vaneigte sich vor ihr bis tief ins Wassa hinein und sagte: „Hier stell’ ick dir meenen Sohn vor, der dein Mann wern soll. Ihr werdet unten im Sumpfe janz prächtich wohnen.“
„Koax, Koax, breckekekex!“ war allens, wat der Sohn sajen konnte. Darauf schwamm die alte Kröte mit ihrn' Sohn fort und se nahmen Däumelieschens Bette for die neue Ausstattung jleich mit. Da saß dit arme kleene Mädchen und weente heiße Thränen uff dit jrüne Blatt hinab, denn se wollte weda bei die häßliche Kröte wohnen, noch ihrn' häßlichen Sohn zun Manne ham. Die kleen' Fische, welche unten im Wassa schwammen, hatten die Kröte recht wohl jesehen und jehört, wat se sagte. Se wollten Däumelieschen jern vor die Kröte und ihrn' häßlichen Sohne retten und nagten mit ihrn' scharfen Zähnen den Stiel det Blattes ab und nu schwamm dit Blatt mit Däumelieschen hinab, weit, weit fort, wohin die Kröte nich jelangen konnte.
Däumelieschen sejelte an jar vielen Städten vorüba, und die kleen' Vöjel saßen in den Bischen, sahen se und sangen: „Welch niedliches kleenet Mädchen!“ Weita und imma weita schwamm dit Blatt mit ihr; so reiste denn Däumelieschen ins Ausland.
Een allerliebsta kleena Schmetterling wurde nich miede se zu umflattern und schwebte endlich uff dit Blatt hernieda, denn er konnte Däumelieschen jar wohl leiden. Diese war hoch erfreut, denn die Kröte konnte se jetz nich mehr erreichen, und et war köstlich, wo se sejelte. Die Sonne schien uff dit Wassa und dieset jlänzte wie schimmerndes Jold. Da nahm se ihrn' Jürtel, schlang dit eene Ende desselben um den Schmetterling und befestigte dit annere an Blatte. Dit jlitt jetz weit schnella dit Wassa hinunta und se mit, denn se stand ja uffn Blatte.
Plötzlich kam een jroßa Maikäfa anjeflogen, der se jewahrte und aujenblicklich seine Klauen um ihrn' schlanken Leib schlug und mit ihr uff een Boom flog. Aba dit jrüne Blatt schwamm den Bach hinab und der Schmetterling flog mit, denn er war an dit Blatt jebunden und konnte sich ooch nich befreien.Jott, wie sehr erschrak dit arme Däumelieschen, als der Maikäfa mit ihr uffn Boom hinaufflog! Am meesten betriebte se jedoch der Jedanke an'n schönen, weißen Schmetterling, den se an dit Blatt jebunden hatte. Konnte er nich loskommen, mußte er ja rettungslos verhungern.
Der Maikäfa setzte sich mit Däumelieschen uff dit jrößte Blatt det Baumes, speiste se mit den Blietenhong und sagte ihr, se wär' sehr scheen, objleich se eem Maikäfa in keenem Stücke ähnelte. Späta kam noch ville Maikäfa zu Besuch; se bejuckten Däumelieschen von allen Seiten und die Maikäferfräulein rümpften die Fiehlhörna und sagten: „Se hat ja nur zwee Füße; dit sieht doch zu jämmerlich aus!“
„Wie häßlich se is!“ sagten ooch die alten Maikäferfrauen, und trotzdem war Däumelieschen so scheen. So kam se ooch den Maikäfa vor, der se entfiehrt hatte, da aba alle anneren darin iebaeinstimmten, se wär' häßlich, so jlaubte er et zuletzt ebenfalls und wollte se nu jar nich ham; se konnte jehen, wohin se wollte. Se flogen mit ihr von Baume hinunta und setzten se uff een Jänseblümchen. Da weente se, weil se so häßlich wär', dit se nich eenmal die Maikäfa unta sich dulden wollten.
Während det janzen Sommers lebte Däumelieschen janz allein in den jroßen Walde. Se flocht sich een Bette aus Jrashalmen und hing et unta eem jroßen Klettenblatte uff, so dit se jejen den Rejen jeschitzt war. Blietenhong war ihre Speise und ihrn' Durst stillte se an den Tau, der morjens uffn Blättern stand. So vastrich Somma und Herbst, aba nu kam der Winta, der kalte, lange Winta. Alle Vöjel, die ihr so scheen vorjesungen hatten, flogen ihra Weje, die Beime und Blumen welkten dahin; dit jroße Klettenblatt, untan se jewohnt hatte, schrumpfte zusammen, und et blieb nur noch een jelba, vertrockneta Stengel. Se fror bitterlich, ihre Kleida warn' zerrissen und se selbst war jar fein und kleen; dit arme Däumelieschen mußte erfrieren. Et bejann zu schneien und jede Schneeflocke, die uff se fiel, that dieselbe Wirkung, als wenn man uff uns eene Schaufel voll wirft, denn wir sind jroß, se aba war nur een Daumen lang. Da hüllte se sich in een verwelktes Blatt, aba dit erwärmte se nich; se zitterte vor Kälte.
Hart an Saume det Waldes, wohin se jetz jelangt war, lag een jroßes Kornfeld, allein dit Korn war längst injeerntet, nur die nackten, trockenen Stoppeln ragten aus die jefrorenen Erde hervor. Ihr kam se wie een jroßa Wald vor, den se zu durchwandern hatte, und se klapperte nur so vor Kälte. Da kam se vor die Thür der Feldmaus. Dern janzes Reich bestand in eena kleen' Höhle untan Kornstoppeln. Dort wohnte die Feldmaus jeschitzt und behajlich, hatte die janze Stube voll Korn und eene prächtje Küche und Speisekamma. Dit arme Däumelieschen stellte sich an de Thür, jerade wie jedes annere Bettelmädchen, und bat um een kleenet Stückchen Jerstenkorn, denn se hatte seit zwee Tagen nich dit Jeringste zu essen bekommen.
„Du arme Kleene!“ sagte die Feldmaus, denn et war im Jrunde jenommen eene jute, alte Feldmaus, „komm’ in meene warme Stube rin und iß mit mir!“
Da se nu Jefallen an Däumelieschen fand, sagte se: „Du kannst jetrost den Winta ieba bei mir bleiben, aba du mußt mir die Stube hibsch sauba halten und mir Jeschichten azählen, denn dit is meene Lust!“ Däumelieschen that, wat die jute, alte Feldmaus verlangte und hatte et janz vortrefflich bei se.
„Nu bekommen wir jewiß bald Besuch!“ sagte die Feldmaus. „Meen Nachbar pflejt mir täjlich zu besuchen. Der hat noch mehr vor sich jebracht, als ick, hat jroße Säle und jeht in eem herrlichen schwarzen Sammetpelze einha. Könntest du den zun Manne bekommen, dann wärest du jut versorjt.“
Doch Däumelieschen mochte den Nachbar jar nich ham, denn er war een Maulwurf. Er kam und machte in sein'n schwarzen Sammetpelze seine Aufwartung. Er wär' sehr reich und sehr jelehrt, sagte die Feldmaus. Seine Wohnung war ooch in die That zwanzjmal jrößa als die der Feldmaus, und Jelehrsamkeit besaß er, aba die Sonne und die herrlichen Blumen konnte er jar nich leiden; ieba se wußte er nur Schlimmes zu azählen, weil er se nie jesehen hatte.
Er hatte sich vor Kurzem een langen Jang von sein'n bis zu ihrn' Hause durch die Erde jejraben; in ihn durfte die Feldmaus und Däumelieschen mit seina Erlaubnis nach Herzenslust spazieren. Er bat se aba, nich vor den toten Vojel zu erschrecken, der im Jange läje. Et war een janza Vojel mit Federn und Schnabel, der erst kürzlich beim Bejinn det Winters jestorben sein konnte und nu jerade da bejraben war, woa sein'n Jang anjelejt hatte.
Der Maulwurf nahm een faules Stück Holz in dit Maul, weil et im Dunkeln wie Feua schimmert, jing dann voran und leuchtete ihn in den langen, finsteren Jange. Als se zu die Stelle jelangten, wo der tote Vojel lag, drickte der Maulwurf mit seina breiten Neese jejen dit Jewölbe und stieß die Erde uff, so dit een jroßes Loch entstand, durch welches dit Licht hereinschimmerte. Mitten uffn Boden lag eene tote Schwalbe, die schönen Flüjel fest an de Seite jedrickt, die Beene und den Kopp unta die Federn jezojen. Der arme Vojel war sicha vor Kälte jestorben. Däumelieschen hatte innjes Mitleid mit ihr, se liebte alle die kleen' Vöjel, hatten se ihr doch den janzen Somma hindurch so scheen wat vorjesungen und vorjezwitschert, aba der Maulwurf stieß ihn mit sein'n kurzen Beenen und sagte: „Nu pfeift er nich mehr! Es muß doch jämmerlich sein, als kleena Vojel jeboren zu wern! Außa sein'n „Quivit“ hat ja een solcha Vojel durchaus nischt und muß im Winta elendjlich verhungern!“
„Ja, dit könnt Ihr als vanünftiga Mann wohl sajen!“ entjejnete die Feldmaus. „Wat hat een Vojel for all sein Quivit, wenn der Winta kommt? Er muß elendjlich verhungern und erfrieren.“Däumelieschen sagte nischt, als aba die beiden andern den Vojel den Ricken wandten, neigte se sich hinab, schob die Federn, die ieba sein'n Koppe lagen, zur Seite und küßte ihn uff die jeschlossenen Oojen. „Vielleicht war er es, der mir im Somma so scheen wat vorsang,“ dachte se, „wie viel Freude hatta mir vaschafft, der liebe, scheene Vojel.“
Der Maulwurf stopfte nu dit Loch, durch welches dit Tageslicht hineinschien, wieda zu und bejleitete die Damen nach Hause. Aba in die Nacht konnte Däumelieschen schlechterdings nich schlafen. Da erhob se sich von ihrn' Bette und flocht aus Heu een jroßen, schönen Teppich, trug ihn hinunta, breitete ihn ieba den toten Vojel aus und lejte weiche Baumwolle, die se im Zimma der Feldmaus jefunden hatte, den Vojel zur Seite, damit er warm liejen mechte in der kalten Erde.
„Lebewohl, du lieba scheena Vojel!“ sagte se; „Lebewohl und Dank for dein'n herrlichen Jesang im Somma, als alle Beime jrün warn' und die Sonne uff uns so warm hernieda schien!“ Dann lejte se ihr Köpfchen an det Vojels Brust, fuhr aba sojleich erschrocken zusammen, denn et war fast, als ob wat in derselben klopfte. Dit war det Vojels Herz. Der Vojel war nich tot, er lag nur in eena Betäubung, war jetz erwärmt worn' und bekam wieda Leben.
Im Herbste fliejen alle Schwalben nach den warmen Ländern, verspätet sich aba eene, so friert se so, dit se wie tot zur Erde fällt und liejen bleibt, wohin se fällt, und der kalte Schnee seine Decke ieba se breitet.
Däumelieschen schauderte or'ntlich, so war se erschreckt worn', denn der Vojel war ihr jejenüba, die kaum Daumeslänge hatte, ja so erschrecklich jroß, aba se faßte doch wieda Mut, lejte die Baumwolle dichta um die Schwalbe und holte een Krausemünzenblatt, dessen se sich selbst als Deckbettes bedient hatte, und lejte et ieba den Kopp det Vojels.
In der nächsten Nacht schlich se sich wieda zu ihn hinunta, und nu war er labundich, aba so matt, dit er nur een kurzen Aujenblick seine Oojen zu öffnen und Däumelieschen anzusehen vermochte, die, weil se keen anneret Lämpchen ham konnte, mit eem Stückchen faulen Holzes in die Hand neben ihn stand.
„Herzlichen Dank, du niedliches kleenet Kind!“ sagte die kranke Schwalbe bei ihr. „Ick bin vortrefflich erwärmt! Bald erhalte ick meene Kräfte wieda und kann dann draußen im warmen Sonnenschein umherfliejen.“
„Ach!“ sagte se, „es is draußen jar kalt, et schneit und friert! Bleib’ du in dein warmen Bettchen, ick werde dir schon pflejen!“
Darauf brachte se der Schwalbe Wassa in eem Blumenblatte und diese trank und azählte ihr, wie se sich an eem Dornbusche een ihra Flüjel verletzt hätt, weshalb se nich mehr so schnell wie die andern Schwalben zu fliejen vermochte, als dieselben weit weg nach den warmen Ländern fortzojen. Endlich war se uff die Erde jefallen, und wat weiteret mit ihr jeschehen, wußte se nich.
Den janzen Winta blieb se nu da unten und Däumelieschen nahm sich ihra uff dit Beste an und hatte se lieb. Weda der Maulwurf noch die Feldmaus erfuhr dit Jeringste davon, weil se die arme Schwalbe nich leiden mochten.
Sobald der Friehling kam und die Sonne die Erde erwärmte, sagte die Schwalbe Däumelieschen Lebewohl, die nu dit Loch öffnete, welches der Maulwurf in die Decke jemacht hatte. Die Sonne schien herrlich uff se hernieda und die Schwalbe fragte, ob se se bejleiten wollte, se könnte ja uff ihrn' Ricken sitzen, und dann wollten se weit hinaus in den jrünen Wald fliejen. Aba Däumelieschen wußte, dit et die alte Feldmaus betrieben würde, wenn se dieselbe uff sonne Art verließ.
„Nein, ick kann nich!“ sagte Däumelieschen. „Lebewohl, lebewohl! du jutes, liebes Mädchen!“ sagte die Schwalbe und flog hinaus in den Sonnenschein. Däumelieschen sah ihr nach und die Thränen traten ihr in die Oojen, denn se hatte die Schwalbe jar lieb.
„Quivit, quivit!“ sang der Vojel und flog hinein in den jrünen Wald.
Däumelieschen war sehr betriebt. Se erhielt nie Erlaubnis, in den warmen Sonnenschein hinauszujehen. Dit Korn, dit uffn Acka ieba den Hause der Feldmaus ausjesäet war, wuchs ooch hoch in die Luft empor; for dit arme kleene Mädchen, dit kaum Daumeslänge hatte, war et een völlich undurchdringlicha Wald.
„Während det Sommers sollste nu an deina Aussteua nähen!“ sagte die Feldmaus bei ihr, denn nu hatte der Nachbar, der langweilje Maulwurf in den schwarzen Sammetpelze, sich um se beworben.
Däumelieschen mußte nu die Spindel drehen und die Feldmaus nahm vier Spinnen in Lohn, die Tag und Nacht spinnen und weben mußten. Jeden Abend kam der Maulwurf uff Besuch und sprach nur imma davon, dit, wenn der Somma vajangen, die Sonne nich mehr so warm scheinen würde, dann wollte er mit Däumelieschen Hochzeit feiern. Se war aba jar nich vajnügt, denn se hatte den langweiljen Maulwurf keeneswejs lieb. Jeden Morjen, wenn die Sonne uffjing, und jeden Abend, wenn se unterjing, schlich se sich zur Thür hinaus, und sobald der Wind die Kornähren auseinanda wehte, dit se den blauen Himmel sehen konnte, dachte se dadran, wie hell und scheen et hier draußen wär', und winschte so sehr, die liebe Schwalbe wiedazusehen; aba die kam nie wieda, die war jewiß weit fort in den schönen jrünen Wald jeflogen.
Als et nu Herbst wurde, hatte Däumelieschen ihre janze Aussteua fertich.
„In vier Wochen sollste Hochzeit halten!“ sagte die Feldmaus bei ihr. Aba Däumelieschen weente und sagte, se wollte den langweiljen Maulwurf nich ham.
„Schnickschnack!“ sagte die Feldmaus, „sei nur nich widerspenstich, sonst muß ick dir mit meenen weißen Zähnen beißen.“
Nu sollte Hochzeit sein. Der Maulwurf war schon jekommen, Däumelieschen zu holen.
„Lebewohl, du klara Sonnenstrahl!“ sagte se und streckte die Ärmchen hoch empor und jing ooch eene kurze Strecke von Hause der Feldmaus fort, denn nu war dit Korn jeerntet und nur die dürren Stoppeln standen noch da. „Lebewohl, Lebewohl!“ sagte se und schlang ihre Ärmchen um eene kleene rote Blume, die daneben stand. „Jrüße die liebe Schwalbe von mir, wennste se zu sehen krisst!“
„Quivit, quivit!“ ertönte et in demselben Aujenblicke ieba ihrn' Koppe. Se blickte uff, et war die Schwalbe, die jerade vorieberflog. Sobald se Däumelieschen jewahrte, wurde se sehr froh, se azählte derselben, wie ungern se den jarstjen Maulwurf zun Manne nähme und dit se nu tief unta die Erde wohnen sollte, wo dit Sonnenlicht nie hineinschiene.
„Nu kommt der kalte Winta,“ sagte die Schwalbe, „ick flieje nach den warmen Ländern fort. Willste mir bejleiten? Du kannst uff meen Ricken sitzen! Flieje nur mit mir, du sießes kleenet Däumelieschen, die du mir dit Leben jerettet hast, als ick erfroren in den finstern Schooße der Erde lag!“
„Ja, ick ziehe mit dir,“ sagte Däumelieschen, und setzte sich uff det Vojels Ricken, mit den Füßen uff seine ausjebreiteten Flüjel, band ihrn' Jürtel an eena der stärksten Federn fest, und nu erhob sich die Schwalbe hoch in die Lüfte, ieba Wälda und Seen, hoch ruff ieba die jroßen Jebirje, wo imma Schnee liejt.
Endlich kam se nach den warmen Ländern. Dort schien die Sonne weit hella als hier, der Himmel war doppelt so hoch und an'n Jräben und Hecken wuchsen die herrlichsten jrünen und blauen Weentrauben. In den Wäldern hingen Zitronen und Apfelsinen; Myrthen und Krausemünzen erfillten allens mit ihrn' Duft. Aba die Schwalbe flog imma noch weita und et wurde scheena und scheena. Untan prachtvollsten jrünen Bäumen an den blauen See stand seit alten Zeiten een weißes Marmorschloß. Weenreben rankten sich um hohe Säulen; an die äußersten Spitze warn' ville Schwalbennesta und in eem derselben wohnte die Schwalbe, welche Däumelieschen truj.
„Hier is meen Haus!“ sagte die Schwalbe. „Suche dir aba selbst eene der prächtjsten Blumen aus, die da unten wachsen, und ick will dir dann hinaufsetzen, und dein Los wird so jlicklich sein, als du nur irjend winschen kannst!“
„O wie herrlich!“ sagte Däumelieschen und klatschte in die kleen' Händchen.
Da lag eene jroße, weeße Marmorsäule, welche zur Erde jesunken und in drei Stücke zerborsten war, zwischen ihn aba wuchsen die schönsten jroßen weißen Blumen. Die Schwalbe flog mit Däumelieschen hinunta und setzte se uff eenet der breiten Blätta. Aba wer malt ihr Erstaunen: mitten in die Blume saß een kleena Mann, so weeß und durchsichtich, wie wenna von Jlas wär'. Die niedlichste joldene Krone hatte er uffn Koppe und die prächtjsten hellen Flüjel uffn Schultern. Er selbst war nich jrößa als Däumelieschen. Et war der Engel der Blumen. In jeda Blume wohnte so een kleena Mann oda eene Frau, diesa aba war der Köng ieba alle.
Der kleene Prinz erschrak jewaltich vor die Schwalbe, denn jejen ihn, der so kleen und fein war, schien se een wahra Riesenvojel zu sein. Als er aba Däumelieschen jewahrte, ward er jar froh, war se doch dit allerschönste Mädchen, dit er bis jetz jesehen hatte. Deshalb nahm er die Joldkrone von sein'n Haupte und setzte se ihr uff, fragte, wie se hieße und ob se seine Jemahlin sein wollte, dann sollte se Könjin ieba alle Blumen wern.
Däumelieschen jab den schönen Prinzen dit Jawort, und von jeda Blume kam eene Dame, oda een Herr, so allerliebst, dit et eene Lust war. Jedes brachte Däumelieschen een Jeschenk, aba dit beste von allen warn' een Paar scheene Flüjel von eena jroßen weißen Flieje. Se wurden Däumelieschen an Ricken befestigt und nu konnte ooch se von Blume zu Blume fliejen. iebaall herrschte drieba Freude und die Schwalbe saß oben in ihrn' Neste und sang ihn wat vor, so jut se vermochte, aba im Herzen war se jleichwohl betriebt, denn se hatte Däumelieschen jar lieb und würde sich nie von ihr jetrennt ham.
„Du sollst fortan nich mehr Däumelieschen heißen!“ sagte der Engel der Blumen bei ihr, „dit is een häßlicha Name und du bist so scheen. Wir wollen dir Maja nennen!“
„Lebewohl, lebewohl!“ sagte die Schwalbe, und zog wieda fort aus die warmen Ländern, weit fort nach unsan kalten Himmelsstriche. Dort hatte se een kleenet Nest oben an den Fensta, wo der Mann wohnt, der Märchen azählen kann. Den sang se ihr „Quivit, quivit,“ vor. Davon ham wa die janze Jeschichte.