Berliner Mundart - Denkste Puppe!

Besuch nach die Ostzone? Zujezojen? Keen Problem - Hier kannste dir schlau machn, damitte nich dastehst wiene Flöte!

Hier dreht sich alles um die lebendige Sprachwelt Berlins mit einem Übersetzer, der hochdeutsche Texte per Generator automatisch in Berliner Dialekt übersetzt. Grundlage ist das Buch 'Der richtige Berliner in Wörtern und Redensarten' von Dr. Hans Meyer.

Und hier noch een paar schöne Märchen im Berliner Dialekt

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Rumpelstilzchen

Jebrieda Jrimm

Es war eenmal een Mülla, der war arm, aba er hatte eene scheene Tochta. Nu traf et sich, dit er mit den Köng zu sprechen kam, und um sich een Ansehen zu jeben, sagte er zu ihn: "Ick habe eene Tochta, die kann Stroh zu Jold spinnen." Der Köng sprach zun Mülla: "Dit is eene Kunst, die mir wohl jefällt, wenn deine Tochta so jeschickt is, wiestesajst, so bring se morjen in meen Schloß, da will ick se uff die Probe stellen."

Als nu dit Mädchen zu ihn jebracht ward, fiehrte er et in eene Kamma, die janz voll Stroh lag, jab ihr Rad und Haspel und sprach: "Jetz mache dir an de Arbeit, und wennste diese Nacht durch bis morjen frieh dieset Stroh nich zu Jold versponnen hast, so mußt du sterben." Darauf schloß er die Kamma selbst zu, und se blieb allein darin. Da saß nu die arme Müllerstochta und wußte um ihr Leben keen' Rat: se vastand jar nischt davon, wie man Stroh zu Jold spinnen konnte, und ihre Angst ward imma jrößa, dit se endlich zu weenen anfing. Da jing uff eenmal die Türe uff, und trat een kleenet Männchen rin und sprach: "Juten Abend, Jungfa Müllerin, wa'm weent Se so sehr?"

"Ach," antwortete dit Mädchen, "ick soll Stroh zu Jold spinnen und vastehe dit nich." Sprach dit Männchen: "Wat jibst du mir, wenn ick dirs spinne?" - "Meen Halsband," sagte dit Mädchen. Dit Männchen nahm dit Halsband, setzte sich vor dit Rädchen, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal jezojen, war die Spule voll. Dann steckte et eene annere uff, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal jezojen, war ooch die zweete voll: und so jings fort bis zun Morjen, da war allens Stroh versponnen, und alle Spulen warn' voll Jold.

Bei Sonnenaufjang kam schon der Köng, und als er dit Jold erblickte, erstaunte er und freute sich, aba sein Herz ward nur noch jeldjierja. Er ließ die Müllerstochta in eene annere Kamma voll Stroh bringen, die noch viel jrößa war, und befahl ihr, dit ooch in eena Nacht zu spinnen, wenna dit Leben lieb wär'. Dit Mädchen wußte sich nich zu helfen und weente, da jing abermals die Türe uff, und dit kleene Männchen erschien und sprach: "Wat jibst du mir, wenn ick dir dit Stroh zu Jold spinne?"

"Meenen Ring von den Finga," antwortete dit Mädchen. Dit Männchen nahm den Ring, fing wieda an zu schnurren mit den Rade und hatte bis zun Morjen allens Stroh zu jlänzendem Jold jesponnen. Der Köng freute sich ieba die Maßen bei den Anblick, war aba noch imma nich Joldes satt, sonnern ließ die Müllerstochta in eene noch jrößere Kamma voll Stroh bringen und sprach: "Die mußt du noch in diesa Nacht verspinnen: jelingt dir's aba, so sollste meene Jemahlin wern." - "Wenn's ooch eene Müllerstochta is," dachte er, "eene reichere Frau finde ick in der janzen Welt nich." Als dit Mädchen allein war, kam dit Männlein zun drittenmal wieda und sprach: "Wat jibst du mir, wenn ick dir noch diesmal dit Stroh spinne?" - "Ick habe nischt mehr, dit ick jeben könnte," antwortete dit Mädchen. "So versprich mir, wennste Könjin wirst, dein erstes Kind." - "Wer weeß, wie dit noch jeht," dachte die Müllerstochta und wußte sich ooch in die Not nich anders zu helfen; se versprach also den Männchen, wat et verlangte, und dit Männchen spann dafor noch eenmal dit Stroh zu Jold. Und als an Morjen der Köng kam und allens fand, wie er jewinscht hatte, so hielt er Hochzeit mit ihr, und die scheene Müllerstochta ward eene Könjin.

ieba een Jahr brachte se een schönes Kind zur Welt und dachte jar nich mehr an dit Männchen: da trat et plötzlich in ihre Kamma und sprach: "Nu jib mir, watte versprochen hast." Die Könjin erschrak und bot den Männchen alle Reichtüma det Könjreichs an, wenn et ihr dit Kind lassen wollte: aba dit Männchen sprach: "Nein, wat Lebendes is mir lieba als alle Schätze der Welt." Da fing die Könjin so an zu jammern und zu weenen, dit dit Männchen Mitleiden mit ihr hatte: "Drei Tage will ick dir Zeit lassen," sprach er, "wennste bis dahin meenen Namen weeßt, so sollste dein Kind behalten."

Nu besann sich die Könjin die janze Nacht ieba uff alle Namen, die se jemals jehört hatte, und schickte een Boten ieba Land, der sollte sich erkundjen weit und breit, wat et sonst noch for Namen jäbe. Als an andern Tag dit Männchen kam, fing se an mit Kaspar, Melchior, Balza, und sagte alle Namen, die se wußte, nach die Reihe her, aba bei jedem sprach dit Männlein: "So heiß ick nich." Den zweeten Tag ließ se in die Nachbarschaft herumfragen, wie die Leite da jenannt würden, und sagte den Männlein die ungewöhnlichsten und seltsamsten Namen vor "Heest du vielleicht Rippenbiest oda Hammelswade oda Schnürbein?" Aba et antwortete imma: "So heiß ick nich."

Den dritten Tag kam der Bote wieda zurick und azählte: "Neue Namen ha'ick keen' einzjen finden können, aba wie ick an een hohen Berch um die Waldecke kam, wo Fuchs und Has sich jute Nacht sajen, so sah ick da een kleenet Haus, und vor den Haus brannte een Feua, und um dit Feua sprang een jar zu lächerliches Männchen, hipfte uff eem Been und schrie:

"Heute back ick, Morjen brau ick, iebamorjen hol ick der Könjin ihr Kind; Ach, wie jut is, dit keena nich weeß, dit ick Rumpelstilzchen heiß!"

Da könnt ihr denken, wie die Könjin froh war, als se den Namen hörte, und als bald hernach dit Männlein hereintrat und fragte: "Nu, Frau Könjin, wie heiß ick?" fragte se erst: "Heißest du Kunz?" - "Nein." - "Heißest du Heinz?" - "Nein." - "Heest du etwan Rumpelstilzchen?" "Dit hat dir der Deibl jesagt, dit hat dir der Deibl jesagt," schrie dit Männlein und stieß mit den rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, dit et bis an'n Leib hineinfuhr, dann packte et in seina Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei.