Berliner Mundart - Denkste Puppe!

Besuch nach die Ostzone? Zujezojen? Keen Problem - Hier kannste dir schlau machn, damitte nich dastehst wiene Flöte!

Hier dreht sich alles um die lebendige Sprachwelt Berlins mit einem Übersetzer, der hochdeutsche Texte per Generator automatisch in Berliner Dialekt übersetzt. Grundlage ist das Buch 'Der richtige Berliner in Wörtern und Redensarten' von Dr. Hans Meyer.

Und hier noch een paar schöne Märchen im Berliner Dialekt

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Hänsel und Jretel

Jebrieda Jrimm

Vor eem jroßen Wald wohnte een arma Holzhacka, der hatte keen täjliches Brot for seine Frau und seine zwee Kinda, Hänsel und Jretel. Als er abends vor Sorje nich einschlafen konnte, da sagt et eene Frau zu ihn: „Höre Mann, morjen frieh nimm die beiden Kinda, jib jedem noch een Stückchen Brot, dann fiehr se hinaus in den Wald. Dann jeh weg und lass se dort, wir können se nich längera nähren.“ „Nein Frau“, sagte der Mann, „dit kann ick nich ieba meen Herz bringen, meene eijenen lieben Kinda zu den wilden Tieren zu fiehren, die se bald in den Wald zerreißen würden.“ „Wennste dit nich tust“, sprach die Frau, „so missen wir alle miteinanda vor Hunga sterben.“ Se ließ ihn keene Ruhe, bis er „Ja“ sagte.

Die zwee Kinda warn' ooch noch wach von Hunga, und hatten allens jehört, wat die Mutta zun Vata jesagt hatte. Se fürchteten sich sehr, Hänsel aba schlich hinaus. Da schien der Mond hell und die weißen Kieselsteine jlänzten hell. Hänsel sammelte so ville davon wie in seine Taschen passten und jing zurick ins Haus: „Tröste dir, Jretel, und schlaf nur ruhich.“Morjens frieh machten sich die Eltern mit Hänsel und Jretel uffn Weg in den Wald hinein. Als se eene Weile jejangen warn', warf Hänsel heimlich imma wieda een von den blanken Kieselsteinen aus seina Tasche uffn Weg. Wie se mitten in den Wald jekommen warn', sprach der Vata: „Nu sammelt Holz, ihr Kinda, ick will een Feua anmachen, damit wir nich frieren.“ Dann sagte die Mutta:„Nu lejt eich ans Feua und schlaft, wir wollen in den Wald Holz fällen, wartet, bis wir wiedakommen und eich abholen.“

Hänsel und Jretel saßen an den Feua, bis Mittag, da aßen beede ihr Stückleen Brot, und dann warteten se weita bis zun Abend. Aba Vata und Mutta blieben aus, und keena nich wollte kommen und se abholen. Als et nu finstere Nacht wurde, fing Jretel an zu weenen, Hänsel aba sprach: „Watte nur, bis der Mond uffjejangen is.“ Und als der Mond uffjejangen war, nahm er seine Schwesta an de Hand und se jingen den Kieselsteinen nach, die hell schimmerten und ihn den Weg zeigten. Se jingen die janze Nacht hindurch und an Morjen kam se wieda za hause an. Der Vata freute sich von Herzen,als er seine Kinda wiedasah, denn er hatte se ungern allein jelassen, die Mutta tat ooch so, als ob se sich freute, heimlich aba war se beese.

Nich lange danach, war wieda keen Brot im Haus und Hänsel und Jretel hörten wie abends die Mutta zun Vata sagte: „Eenmal ham die Kinda den Weg zurickjefunden, und da ha'ick et jut seinlassen, aba jetz is wieda nischt als nur noch een halba Laib Brot im Haus, du musst se morjen tiefa in den Wald fiehren, det se nich wieda heimkommen können.“ Hänsel und Jretel hörten dit Jespräch der Eltern. Hänsel stand uff und wollte wieda Kieselsteine auflesen, wie er aba an de Tür kam,da hatte die Mutta se zujeschlossen. Doch tröstete er Jretel und sprach: „Schlaf nur, liebe Jretel, der liebe Jott wird uns schon helfen.“

Morjens frieh erhielten se ihr Stückleen Brot, dit noch kleena war als dit Stück beim letzten Mal.Uffn Weg zerbröckelte Hänsel all sein Brot in die Tasche und warf die Bröckleen nacheinanda uff die Erde. Die Mutta fiehrte se noch tiefa in den Wald hinein, wo se noch nie jewesen warn'. Dort sollten se wieda einschlafen bei eem jroßen Feua, und abends wollten die Eltern kommen und se abholen. Aba keena nich kam zu den armen Kinners. Hänsel tröstete die Jretel und sagte: „Watte, wenn der Mond uffjeht, dann sehe ick die Bröckleen Brot, die ick ausjestreut habe, die zeijen uns den Weg nach Hause.“ Der Mond jing uff. Als Hänsel aba nach den Bröckleen suchte, da warn' se weg, denn die vielen Vöjlein in den Wald hatten se jefunden und uffjepickt. So verirrten se sich bald im tiefen Wald.

Se jingen Tag und Nacht. Drei Tage lang. Aba se kam nich aus den Wald raus und warn' so hungrich, denn se hatten nischt zu essen, als een paar kleene Beeren, die im Wald wuchsen.Endlich kam se an een Häuslein, dit aus Brot jebaut und mit Kuchen jedeckt war, und die Fensterwaren aus hellem Zucka. „Da wolln wa uns satt essen“, sagte Hänsel. „Ick will von Dach essen, und du Jretel, kannst von Fensta essen, dit is fein sieß.“ Hänsel brach sich een wenich von Dach ab und Jretel knusperte an'n Fensterscheiben. Da rief uff eenmal eene feine Stimme aus den Häuschen:„Knuspa, knuspa, knäuschen,wer knuspert an meen Häuschen!“Die Kinda antworteten: „Der Wind, der Wind, dit himmlische Kind“, und aßen weita. Da jing uff een mal die Tür uff und eene steinalte Frau kam raus jeschlichen. Hänsel und Jretel erschraken so sehr,det se allens fallen ließen, wat se in die Hand hielten. Die alte Frau wackelte mit den Kopp und sagte:„Ei, ihr lieben Kinda, wo seid ihr denn herjekommen? Kommt rin, ihr sollt et jut bei mir ham.“Dort wurde jutes Essen uffjetragen, Milch und Pfannkuchen mit Zucka, Äppel und Nissen, und dann wurden zwee scheene Bettlein bereitet, da lejten sich Hänsel und Jretel hinein, und meenten, se wärn' wie im Himmel.

Die Alte aba war eene beese Hexe, die Kinners auflauerte und ihr Brothäuslein bloß jebaut hatte, um se herbei zu locken. Wenn eens in ihre Jewalt kam, da machte se et tot, kochte et und aß es, und dit war ihr een Festtag. Da war se nu recht froh, wie Hänsel und Jretel ihr zujelaufen kam. Frieh, ehe se noch erwacht warn', stand se schon uff, jing an ihre Bettlein und dachte, dit wird een juta Bissen for dir sein. Se packte Hänsel und steckte ihn in een kleen' Stall, und wie er da aufwachte, war er von eem Jitta umschlossen. Dit Jretel aba schittelte se und rief: „Steh uff, du Faulenzerin, hole Wassa und jehe in die Küche und koche jut zu essen for dein'n Bruda. Der sitzt in eem Stall und soll fett wern. Und wenna fett is, dann will ick ihn essen.“ Jretel erschrak und weente, musste aba tun, wat die beese Hexe verlangte. Nu wurde den Hänsel dit beste Essen jekocht, det er fett wern sollte.Jretel aba bekam nischt als die Krebsschalen. Jeden Morjen kam die Alte und sagte: „Hänsel, streck deine Finga raus, damit ick fiehle, ob du bald fett bist.“ Hänsel streckte ihr aba imma een Knöchlein raus und da die Alte schlechte Oojen hatte, wunderte se sich, det er jar nich zunehmen wollte.

Nach vier Wochen verlor die Alte die Jeduld und rief zu Jretel: „Jeh und trag Wassa herbei, dein Briederchen mag nu fett jenuch sein oda nich, morjen will ick ihn schlachten und kochen.“ Jretel fing an zu weenen und rief: „Lieba Jott, hilf uns doch!“ Frieh morjens musste Jretel aufstehen, Feua anmachen und den Kessel mit Wassa aufhängen. „Jib nu Acht, bis et kocht“, sagte die Hexe, „ick will Feua indem Backofen machn und dit Brot hineinschieben.“Dann rief die Alte: „Jretel komm jleich eenmal hierha zu den Backofen.“ Wie Jretel kam, sagte se:„Kiek hinein, ob dit Brot schon hibsch braun und jar is, meene Oojen sind schwach, ick kann nich soweit sehen, und wennste ooch nich kannst, so setz dir uff dit Brett, so will ick dir hineinschieben,da kannst du darin herumjehen und nachsehen.“ Wenn aba Jretel darin wär', da wollte se die Ofentür zumachen und Jretel sollte in den heißen Ofen backen, und se wollte et ooch aufessen. Ditte dachte sich die beese Hexe.

Aba Jretel merkte, wat die Hexe im Sinn hatte und sagte: „Ick weeß nich, wie ick et machn soll? Wie komme ick da hinein?“ „Dumme Jans“, sagte die Alte, „die Öffnung is jroß jenuch, sehste, ick könnte selbst hinein“, krabbelte heran und steckte den Kopp in den Backofen. Da jab ihr Jretel een Stoß, det se weit hineinfiel, machte die eiserne Tür zu und schob den Riejel davor. Da fing die Alte in den heißen Backofen an zu schreien und zu jammern, Jretel aba lief fort, und die beese Hexe musste elend verbrennen.

Und Jretel lief zun Hänsel, machte ihn sein Türchen uff und Hänsel sprang raus, und se küssten sich einanda und warn' froh. Dit janze Häuschen war voll von Edelsteinen und Perlen, davon fillten se ihre Taschen, jingen fort und fanden den Weg nach Hause. Der Vata freute sich, als er se wiedasah, er hatte keen' vajnügten Tag jehabt, seit seine Kinda fort warn'. Nu wurde er een reicha Mann. Die Mutta aba war jestorben.