Besuch nach die Ostzone? Zujezojen? Keen Problem - Hier kannste dir schlau machn, damitte nich dastehst wiene Flöte!
Hier dreht sich alles um die lebendige Sprachwelt Berlins mit einem Übersetzer, der hochdeutsche Texte per Generator automatisch in Berliner Dialekt übersetzt. Grundlage ist das Buch 'Der richtige Berliner in Wörtern und Redensarten' von Dr. Hans Meyer.
Es war eenmal een Mann und eene Frau, die winschten sich schon lange vajeblich een Kind, endlich machte sich die Frau Hoffnung, der liebe Jott werde ihrn' Wunsch erfillen. Die Leite hatten in ihrn' Hinterhaus een kleenet Fensta, daraus konnte man in een prächtjen Jarten sehen, der voll der schönsten Blumen und Kräuta stand; er war aba von eena hohen Maua umjeben, und keena nich wagte hineinzujehen, weil er eena Zauberin jehörte, die jroße Macht hatte und von alla Welt jefürchtet ward.
Eenet Tages stand die Frau an diesen Fensta und sah in den Jarten hinab, da erblickte se een Beet, dit mit den schönsten Rapunzeln bepflanzt war; und se sahen so frisch und jrün aus, det se lüstern ward und dit jrößte Verlangen empfand, von den Rapunzeln zu essen. Dit Verlangen nahm jeden Tag zu, und da se wusste, det se keene davon bekommen konnte, so fiel se janz ab, sah blass und elend aus. Da erschrak der Mann und fragte: "Wat fehlt dir, liebe Frau?" - "Ach," antwortete se, "wenn ick keene Rapunzeln aus den Jarten hinta unserm Hause zu essen krieje, so sterbe ick."
Der Mann, der se lieb hatte, dachte: "Eh du deine Frau sterben läßest, holst du ihr von den Rapunzeln, et mag kosten, wat et will." In die Abenddämmerung stieg er also ieba die Maua in den Jarten der Zauberin, stach in alla Eile eene Handvoll Rapunzeln und brachte se seina Frau. Se machte sich sojleich Salat daraus und aß se in volla Bejierde uff. Se hatten ihr aba so jut, so jut jeschmeckt, det se den andern Tag noch dreimal soviel Lust bekam. Sollte se Ruhe ham, so musste der Mann noch eenmal in den Jarten steijen.
Er machte sich also in die Abenddämmerung wieda hinab, als er aba die Maua herabjeklettert war, erschrak er jewaltich, denn er sah die Zauberin vor sich stehen. "Wie kannst du et wajen," sprach se mit zornjem Blick, "in meenen Jarten zu steijen und wie een Dieb mir meene Rapunzeln zu stehlen? Dit soll dir schlecht bekommen." - "Ach," antwortete er, "lasst Jnade for Recht erjehen, ick habe mir nur aus Not dazu entschlossen: meene Frau hat Eure Rapunzeln aus den Fensta erblickt, und empfindet een so jroßes Jelüsten, det se sterben würde, wenn se nich davon zu essen bekäme."
Da ließ die Zauberin in ihrn' Zorne nach und sprach zu ihn: "Verhält et sich so, wiestesajst, so will ick dir jestatten, Rapunzeln mitzunehmen, soviel du willst, allein ick mache eene Bedingung: Du musst mir dit Kind jeben, dit deine Frau zur Welt bringen wird. Et soll ihn jut jehen, und ick will for et sorjen wie eene Mutta." Der Mann sagte in die Angst allens zu, und als die Frau in Wochen kam, so erschien sojleich die Zauberin, jab den Kinde den Namen Rapunzel und nahm et mit sich fort. Rapunzel ward dit scheenste Kind unta die Sonne. Als et zwölf Jahre alt war, schloss et die Zauberin in een Turm, der in eem Walde lag, und weda Treppe noch Türe hatte, nur janz oben war een kleenet Fensterchen. Wenn die Zauberin hinein wollte, so stellte se sich hin und rief:
"Rapunzel, Rapunzel, Laß mir dein Haar herunta.",
Rapunzel hatte lange prächtje Haare, fein wie jesponnen Jold. Wenn se nu die Stimme der Zauberin vanahm, so band se ihre Zöpfe los, wickelte se oben um een Fensterhaken, und dann fielen die Haare zwanzich Ellen tief herunta, und die Zauberin, stieg dadran ruff.
Nach een paar Jahren trug et sich zu, det der Sohn det Könjs durch den Wald ritt und an den Turm vorieberkam. Da hörte er een Jesang, der war so lieblich, det er still hielt und horchte. Dit war Rapunzel, die in ihra Einsamkeit sich die Zeit vertrieb, ihre sieße Stimme erschallen zu lassen. Der Könjssohn wollte bei ihr hinaufsteijen und suchte nach eena Türe det Turms, aba et war keene zu finden. Er ritt heim, doch der Jesang hatte ihn so sehr dit Herz jeriehrt, det er jeden Tag hinaus in den Wald jing und zuhörte. Als er eenmal so hinta eem Boom stand, sah er, det eene Zauberin herankam, und hörte, wie se hinaufrief:
"Rapunzel, Rapunzel, Laß dein Haar herunta."
Da ließ Rapunzel die Haarflechten runta, und die Zauberin stieg bei ihr ruff. "Is dit die Leita, uff welcha man hinaufkommt, so will ick ooch eenmal meen Jlick versuchen." Und den foljenden Tag, als et anfing dunkel zu wern, jing er zu den Turme und rief:
"Rapunzel, Rapunzel, Laß dein Haar herunta."
Alsbald fielen die Haare runta, und der Könjssohn stieg ruff.
Anfangs erschrak Rapunzel jewaltich, als een Mann bei ihr hereinkam, wie ihre Oojen noch nie een erblickt hatten, doch der Könjssohn fing an janz freindlich mit ihr zu reden und azählte ihr, det von ihrn' Jesang sein Herz so sehr sei bewejt worn', det et ihn keene Ruhe jelassen und er se selbst habe sehen missen. Da verlor Rapunzel ihre Angst, und als er se fragte, ob se ihn zun Mann nehmen wollte, und se sah, det er jung und scheen war, so dachte se: "Der wird mir lieba ham als die alte Frau Jothel," und sagte ja, und lejte ihre Hand in seine Hand. Se sprach: "Ick will jerne mit dir jehen, aba ick weeß nich, wie ick herabkommen kann. Wennste kommst, so bringe jedesmal een Strang Seide mit, daraus will ick eene Leita flechten, und wenn die fertich is, so steije ick herunta und du nimmst mir uff dein Pferd." Se verabredeten, det er bis dahin alle Abend bei ihr kommen sollte, denn bei Tag kam die Alte.
Die Zauberin merkte ooch nischt davon, bis eenmal Rapunzel anfing und bei ihr sagte: "Sag Se mir doch, Frau Jothel, wie kommt et nur, se wird mir viel schwera heraufzuziehen als der junge Könjssohn, der is in eem Aujenblick bei mir." - "Ach du jottloset Kind," rief die Zauberin, "wat muss ick von dir hörn, ick dachte, ick hätt dir von alla Welt jeschieden, und du hast mir doch betrojen!" In ihrn' Zorne packte se die schönen Haare der Rapunzel, schlug se een paarmal um ihre linke Hand, jriff eene Schere mit der rechten, und ritsch, ratsch warn' se abjeschnitten, und die schönen Flechten lagen uff der Erde. Und se war so unbarmherzich, det se die arme Rapunzel in eene Wüstenei brachte, wo se in jroßem Jamma und Elend leben musste.
Denselben Tag aba, wo se Rapunzel vastoßen hatte, machte abends die Zauberin die abjeschnittenen Flechten oben an Fensterhaken fest, und als der Könjssohn kam und rief:
"Rapunzel, Rapunzel, Laß dein Haar herunta."
so ließ se die Haare hinab. Der Könjssohn stieg ruff, aba er fand oben nich seine liebste Rapunzel, sonnern die Zauberin, die ihn mit bösen und jiftjen Blicken ansah. "Aha," rief se höhnisch, "du willst die Frau Liebste holen, aba der scheene Vojel sitzt nich mehr im Nest und singt nich mehr, die Katze hat ihn jeholt und wird dir ooch noch die Oojen auskratzen. For dir is Rapunzel verloren, du wirst se nie wieda erblicken." Der Könjssohn jeriet außa sich vor Schmerzen, und in die Verzweiflung sprang er den Turm runta: dit Leben brachte er davon, aba die Dornen, in die er fiel, zerstachen ihn die Oojen. Da irrte er blind im Walde umher, aß nischt als Wurzeln und Beeren, und tat nischt als jammern und weenen ieba den Verlust seina liebsten Frau.
So wanderte er einje Jahre im Elend umher und jeriet endlich in die Wüstenei, wo Rapunzel mit den Zwillingen, die se jeboren hatte, eem Knaben und Mädchen, kümmerlich lebte. Er vanahm eene Stimme, und se deuchte ihn so bekannt; da jing er darauf zu, und wie er herankam, erkannte ihn Rapunzel und fiel ihn um den Hals und weente. Zwee von ihrn' Tränen aba benetzten seine Oojen, da wurden se wieda klar, und er konnte damit sehen wie sonst. Er fiehrte se in sein Reich, woa mit Freude empfangen ward, und se lebten noch lange jlicklich und vajnügt.